Die Aufstellungsarbeit

Systemische Aufstellungen sind oft bekannt unter dem Namen Familienstellen. Man stellt faktisch Menschen in einem bestimmten Raum auf, welche als Stellvertreter wirken für tatsächliche Individuen, Geschehnisse und Gegebenheiten. Es können Familien, aber auch Einzelpersonen, Paare, Teams und ganze Firmenbelegschaften aufgestellt werden. Möglicherweise sind in einem Familien- oder Firmensystem auch Menschen wichtig, die schon verstorben sind. Auch sie können aufgestellt werden - die Kraft wirkt über den Tod hinaus.

Systemische Aufstellungen gehören zur phänomenologischen Arbeitsweise. Das heisst, dass unser Verstand in den Hintergrund treten muss. Es ist nicht planbar, was sich zeigt. Jede Aufstellung ist anders. Das ist eine Herausforderung. Darum brauchen Menschen, die diese Form des "Schauens" nützen wollen die Offenheit, Weg und Ziel nicht bestimmen zu können – das braucht Mut! Es zeigt sich in der Regel ein Teil des Ganzen – wie klar, bleibt abzuwarten.

Diese Anschauung geht von einem "Grossen Ganzen" aus, einer Ordnung, die uns und unserem Leben zu Grunde liegt. Diese Kraft will, dass es Allen und Allem gut geht. Einige Menschen nennen es auch einfach "grosse Kraft", "Ordnung der Liebe" – oder "Gott". Als Aufstellungsleiterin übernehme ich die Begleitung von Menschen – möglichst ganz im Sinne dieses "Grossen Ganzen".

Systemische Aufstellungen
Systemische Aufstellungen können mit Einzelpersonen oder Gruppen gemacht werden. In einer systemischen Aufstellung wird zuerst das Anliegen des/der Anwesenden formuliert, dann wird dazu sofort eine Aufstellung gemacht. Fehlen die Stellvertreter, kann mit Bodenankern (Platz eines Menschen wird mit Gegenstand markiert) gearbeitet werden. Im Laufe der Aufstellung ist es möglich, sich selbst auf den Platz - und somit in die Energie - eines anderen Menschen zu stellen. Sehr wichtig ist hier die grosse Achtung und Ernsthaftigkeit im Umgang mit Allem was lebt und ist. Oft zeigen sich Lösungsansätze schon im Schauen und Sehen der Wahrheit, die uns bis dahin vielleicht verborgen war. Es können Wunder geschehen.

Kinder & Jugendliche
 Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen  kann aus vielen verschiedenen, oft nicht nachvollziehbaren Gründen durcheinander geraten. Ein schreckhafter Moment als Kleinkind, die Kombination von Angst und einer bestimmten Atmosphäre, das "um jeden Preis" richtig machen wollen für ein System (z.B. Familie) oder eine Verstrickung mit einer Vorfahrin. Dies kann sich äussern durch überdimensionalen Egoismus, freches Verhalten, unkontrollierbare Wut, Lernschwierigkeiten, heimliches Stehlen, Zerstörungswut oder grosse Introvertiertheit. Bei der Begleitung von jungen Menschen nehme ich gern meinen roten Koffer zu Hilfe, bestückt mit unterstützenden Symbolen. Lösungswege können auch mit Tierfiguren angegangen werden.

Bert Hellinger
Bert Hellinger (1925 - 2019) wird auch "Vater des Familienstellens" genannt. Nach grosser Lebenserfahrung und vielfältigen Ausbildungen hat der bescheidene Mann aus Bayern seine eigene Methode entwickelt, verfeinert und unter die Menschen gebracht: das Familienstellen nach Hellinger. In unzählbar vielen Aufstellungen hat er immer wieder Ähnliches und Neues beobachtet, überprüft, angepasst und wieder angewendet. Darüber hat er über 100 Bücher geschrieben. Ich hatte das Glück, in meiner Ausbildung auch von diesem grossen Meister zu lernen. Seine Frau Sophie führt das in den letzten Jahren gemeinsame Lebenswerk und die Hellinger Lebensschule weiter. Genauere Infos dazu findest du auf www.hellinger.com  

Eine eigene Aufstellung machen
In einer "eigenen Aufstellung" stellen wir auf, was dich persönlich sorgt, beschäftigt oder verwirrt. Es kann z.B. deine Familie sein, oder nur dich. Zuerst braucht es Offenheit und Bereitschaft, "das Ganze" zu sehen. Daneben sind Zeit und Ruhe zwei wichtige Voraussetzungen. Für Einzelpersonen und kleinere Gruppen stehen Räumlichkeiten in Sörenberg LU zur Verfügung. Bei grösseren Gruppen sprechen wir den Durchführungsort ab.

Für welche Anliegen und Lebenssituationen eignet sich eine Aufstellung?
Mögliche Themen und Fragen
  • Entscheidungsprozesse
  • Biografieprozesse
  • Verwirrung im Familiensystem
  • Verstrickungen
  • Loslösungsprozesse
  • Ängste mit unbekanntem Hintergrund
  • Lernschwierigkeiten
  • Auffälliges Benehmen von Kindern
  • Verlustängste
  • Fehlendes Vertrauen
  • Verbesserungswürdige Teamarbeit
  • Positionierung von Gruppen- und Geschäftsleitungen
  • Geschäftsübergabe oder –übernahme
  • bei Job - und Wohnungswechsel

Ein Aufstellungsbeispiel
Grobe Schilderung einer Aufstellung bei der ich persönlich anwesend war: Eine Mutter erzählt, dass ihr Kind nicht gerne zur Schule geht. Es passiert sogar, dass das Mädchen auf dem Schulweg umkehrt und wieder nach Hause kommt. Es lernt mühsam, kann sich oft nicht konzentrieren und hat folglich schlechte Noten. Die Mutter weiss aber, dass ihr Kind intelligenzmässig zu grösserer Leistung fähig wäre. Gibt es eine Erklärung rsp. Erleichterung? Die Aufstellungsleiterin stellt die Schule auf, mehrere Kinder und ein paar Eltern. Die meisten Sprösslinge bewegen sich spontan auf die "Schule" zu, bleiben dort stehen und fühlen sich sichtlich wohl. Die Person welche für das oben erwähnte Mädchen da steht, verharrt zuerst in der Mitte. Es schaut ein paarmal hin und her – und geht dann mit eher bedrücktem Gesicht zur Mutter. Es stellt sich ganz nah zu ihr und hält sie an der Hand, fast so, als wolle das Kind die Mutter beschützen. Der Blick geht aber in Richtung Schule. Auf Nachfragen stellt sich heraus, dass es der Mutter schlecht geht. Sie hat Probleme – die Art spielt nicht die prioritäre Rolle. Aber: das Kind macht sich Sorgen um die Mutter. Es hat Angst, sie könnte gehen oder gar sterben. Es kann gar nicht frei aus dem Haus gehen. Sobald es das tun muss, denkt es an nichts Anderes als an die Mutter. Es zeigt sich, dass das Kind irgendwie in eine Beschützerrolle geraten ist, die ihm nicht zusteht. Für ihre Probleme ist die Frau selbst zuständig. Wenn das Kind das "begreift" werden die Gedanken frei für das eigene Leben – und somit auch für die Schule. Die Aufstellung hat innert kurzer Zeit sehen lassen, wo und wie ein guter Weg gefunden werden kann. Es kann sogar geschehen, dass Probleme sich "auflösen" wenn die Wahrheit angeschaut worden ist.
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